Die meistzitierte Autorität
der viktorianischen Kynologie.
John Henry Walsh, bekannt unter dem Pseudonym \"Stonehenge", war über zwanzig Jahre lang Editor des Field — der britischen Referenzsportzeitung — und Autor zahlreicher Bücher über Hunde. Sein \"The Dog in Health and Disease" erschien in mehreren Ausgaben zwischen 1859 und 1882 und blieb jahrzehntelang das Standardwerk der britischen Kynologie. Rawdon B. Lee, der 1893 \"Modern Dogs" schrieb, war sein direkter Nachfolger beim Field. Der Vergleich der Ausgaben von 1859 und 1879 ist besonders aufschlussreich: Innerhalb von zwanzig Jahren verfeinert sich die Definition des St.-John's-Hundes, und das Wort \"wavy-coated" taucht als anerkannter Fachbegriff auf.
Die zwei Varietäten des Neufundländers:
Large Labrador und St. John's Lesser Labrador.
1859
"This most valuable animal is of two very different kinds, viz. the large, loose-made, and long-haired variety, known as the Large Labrador; and the small, compact, and comparatively short-haired dog, known as the St. John's or Lesser Labrador breed. Both were originally natives of Newfoundland, and though many are bred in England, fresh specimens are constantly being imported from the island. All are now more or less crossed with the mastiff or setter. In this country they are chiefly used for ornamental purposes and as companions to their masters, the small breed being also crossed with the setter to make the retriever."J.H. Walsh ("Stonehenge"), The Dog in Health and Disease, 1ª ed. 1859, pp. 122–123
Walsh im Jahr 1859 lässt keinen Zweifel: Die zwei Varietäten sind dasselbe Tier in unterschiedlicher Form — \"both were originally natives of Newfoundland." Der Large Labrador ist \"large, loose-made, and long-haired"; der St. John's oder Lesser Labrador ist \"small, compact, and comparatively short-haired". Der Unterschied ist morphologisch, nicht rassenmäßig. Beide wurden aus Neufundland importiert. Beide wurden in England mit Settern und Mastiffs gekreuzt.
Der echte St.-John's-Hund erkennbar
nur durch direkten Import.
1859
"I have lately been shown several of these dogs which were said to have been recently imported, but all were evidently crossed with other breeds, and were therefore rejected."J.H. Walsh ("Stonehenge"), The Dog in Health and Disease, 1ª ed. 1859, p. 126
Walsh hatte bereits 1859 das Problem, das Anspach 1827 beschrieben hatte: Der \"reine" Neufundländer war selbst unter Hunden, die als direkt importiert präsentiert wurden, selten zu finden. Selektion und Kreuzung waren bereits fortgeschritten. Die morphologische Reinheit des St.-John's-Hundes war bereits zu einem schwer erreichbaren Ideal geworden, nicht zu einer verbreiteten Realität.
Der St.-John's-Hund = \"wavy-coated retriever":
das Wort ist in den offiziellen Wortschatz eingegangen.
1879
"(c) THE ST. JOHN'S NEWFOUNDLAND OR LABRADOR DOG. In Great Britain the small variety of the Newfoundland is seldom kept as a mere companion, being chiefly used as a retriever, either pure or more or less crossed with the setter or spaniel. He is then commonly known as 'a retriever' of the wavy-coated kind, to distinguish him from the curly-coated cross with the water-spaniel. Many of these retrievers are imported direct from Newfoundland to Hull and other ports trading with that island; others are bred in this country from imported parents, but most breeders prefer to cross them for the sake of improving the nose."J.H. Walsh ("Stonehenge"), The Dog in Health and Disease, 3ª ed. 1879, pp. 192–193
In zwanzig Jahren hat sich die Terminologie stabilisiert. Der St.-John's-Hund ist nicht mehr nur \"comparatively short-haired" wie 1859 — er ist zu \"a retriever of the wavy-coated kind" geworden. Das wellige/lange Fell war zum identifizierenden Merkmal des Typs geworden, so sehr, dass Walsh es als Fachbegriff verwendet, um ihn vom curly-coated zu unterscheiden. Der direkte Import aus Neufundland dauerte 1879 noch an — es waren noch echte Hunde, nicht nur Geschichte. Und die meisten Züchter kreuzten sie zur Verbesserung der Nasenleistung.
Zwanzig Jahre Entwicklung:
von \"short-haired" zu \"wavy-coated."
Der Vergleich zwischen der ersten Ausgabe (1859) und der dritten (1879) ist aufschlussreich. Im Jahr 1859 beschreibt Walsh den St.-John's-Hund als \"comparatively short-haired" — vergleichsweise kurzhaarig, nicht absolut. Im Jahr 1879 wird derselbe Hund als \"wavy-coated" bezeichnet, um ihn vom curly-coated zu unterscheiden. Diese Terminologieänderung spiegelt zwanzig Jahre Typenstandarisierung wider: Das wellige Fell war so charakteristisch für diesen Hund geworden, dass es als Name verwendet wurde. Nicht weil es länger geworden wäre — sondern weil es zum Erkennungszeichen des Typs auf britischen Jagdfeldern und Ausstellungen geworden war.