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Die häufigste Frage

Was ist ein Fluffy Labrador
oder Wavy Coat?

Er wird auf viele Arten genannt: langhaariger Labrador, Fluffy Labrador, Wavy Coat. In sozialen Netzwerken wird er oft als Seltenheit dargestellt, manchmal als zu vermeidendes "Defizit", manchmal als "Mutation". Keine dieser Beschreibungen ist präzise. Das lange Fell beim Labrador ist eine natürliche genetische Variante, die in der Rasse vorhanden ist, bevor die Rasse selbst als solche existierte — denn sie stammt direkt vom St.-John's-Hund ab, dem gemeinsamen Vorfahren aller modernen Retriever.

Die Geschichte

Die Ursprünge des langen Fells beim Labrador:
vom St.-John's-Hund zum FCI-Standard.

Der St.-John's-Hund — 17. und 18. Jahrhundert

Der St.-John's-Hund — das Landrasse aus Neufundland, von dem alle modernen Retriever abstammen — existierte in zwei Varietäten: kurzhaarig und langhaarig. Der Unterschied war weder rasslich noch qualitativ. Er war rein praktisch: Das kurze Fell hielt kein Wasser und bildete kein Eis, wenn der Hund im Winter aus dem Meer kam. Die Fischer der Insel bevorzugten aus diesem Grund das kurze Fell. Die langhaarigen Exemplare wurden an die Engländer verkauft, die sie als gleich fähig befanden und im Winter zum Holzziehen einsetzten. Die ersten dokumentierten historischen Beschreibungen — der Text von 1822, der von verschiedenen Rassehistorikern zitiert wird — sprechen ausdrücklich von diesen beiden Varietäten als demselben Hundetyp.

Die großen englischen Familien — 19. Jahrhundert

Als die Malmesburys in Dorset und die Buccleuchs in Schottland begannen, die kurzhaarigen Exemplare zu selektieren, um das zu schaffen, was der Labrador Retriever werden sollte, wählten sie bewusst die kurzhaarige Varietät. Aber das Gen für langes Fell war bereits in den importierten Linien vorhanden — weil es im ursprünglichen St.-John's-Hund vorhanden war. In ihren Zuchtregistern tauchen regelmäßig langhaarige Exemplare auf, gelbe, braune, getigerte Hunde: das Erbe des ursprünglichen Landrasses, das wieder auftauchte. Lord Malmesbury selbst räumte in seinen Aufzeichnungen ein, dass es ihm nicht gelungen war, seine Linien vollständig frei von langem Fell zu halten.

Der Wavy Coat Retriever und der Flat Coat — 1860–1900

1860 kreuzte Mr. Shirley langhaarige Exemplare des St.-John's-Hundes mit einem heute ausgestorbenen Spaniel — und nach einigen Autoren auch mit Settern und Bloodhounds — und schuf den Wavy Coat Retriever, der später in Flat Coated Retriever umbenannt wurde. Jahrelang wurden auf Ausstellungen reine, aus Kanada importierte langhaarige Exemplare bevorzugt, weil der Wavy für den damaligen Geschmack noch zu unvollkommen war. Der Name "Wavy Coat" — welliges Fell — beschrieb genau diesen Felltyp: länger als beim Standard-Labrador, leicht gewellt, mit der charakteristischen Befiederung an Ohren und Rute. Es ist der Name, den wir in dieser Zucht noch heute für den langhaarigen Labrador verwenden, aus Respekt vor der Geschichte, aus der er stammt.

Die Nachkriegszeit und die Rückkreuzungen — 1945–1960

Nach dem Zweiten Weltkrieg drohte dem Labrador aufgrund des drastischen Geburtenrückgangs während des Konflikts das Aussterben. Um das Schlimmste zu verhindern, wurde vorübergehend die Kreuzung mit verwandten Retrievern wiederaufgenommen — insbesondere mit dem Flat Coated Retriever. Diese Episode, die in den Archiven britischer Rasseclub dokumentiert ist, erklärt zum Teil, warum das Langhaargen nie endgültig aus den Linien des modernen Labradors eliminiert wurde und warum es noch heute auch in Blutlinien auftaucht, die seit Generationen keine langhaarigen Exemplare produziert hatten.

Die Genetik

Das FGF5-Gen beim Labrador.
Wie es das lange Fell bestimmt.

Das lange Fell beim Labrador wird durch eine rezessive Mutation im FGF5-Gen — Fibroblast Growth Factor 5 — bestimmt. Dieses Gen reguliert den Haarwachstumszyklus: In seiner normalen Form (dominantes Allel) hört das Fell nach einer bestimmten Zeit auf zu wachsen und produziert das typische kurze, dichte Fell des Labradors. In der mutierten Form (rezessives Allel) ist das Stoppsignal für das Wachstum beeinträchtigt — und das Fell wächst weiter, was das längere und manchmal wellige Fell des Wavy Coat produziert.

Wie das Langhaargen beim Labrador vererbt wird

L/L
Kurzhaarig
Zwei dominante Allele. Trägt das rezessive Gen nicht, kann es nicht weitergeben.
L/l
Kurzhaarig — Träger
Äußerlich kurzhaarig. Gibt das rezessive Allel an 50% der Nachkommen weiter. Bei Kreuzung zweier Träger: 25% langhaarige Welpen.
l/l
Wavy Coat
Zwei rezessive Allele. Langes Fell sichtbar ausgedrückt. Gibt immer das rezessive Allel an die Nachkommen weiter.

Die wissenschaftliche Forschung hat fünf Varianten des FGF5-Gens identifiziert, die mit langem Fell bei Hunden assoziiert sind. Die häufigste Variante — FGF5:c.284G>T (als L oder p.Cys95Phe bezeichnet) — ist die bei den meisten Rassen nachgewiesene, einschließlich des Labrador Retrievers. Die in Animal Genetics veröffentlichten Studien (Dierks et al., 2013) zeigten, dass bei vielen Rassen diese einzelne Mutation den langen Haarphänotyp vollständig erklärt, während bei einigen Rassen wie Akita und Samoyed andere Varianten beteiligt sind. Beim Labrador ist die L-Variante die genetische Erklärung für den Wavy Coat.

Ein wichtiger Punkt: Die Forschung des National Human Genome Research Institute (NIH), veröffentlicht in Science im Jahr 2009, hat gezeigt, dass der Felltyp bei Hunden grundsätzlich von drei Genen bestimmt wird — FGF5 (Länge), KRT71 (Glätte/Locke) und RSPO2 (Bart und Augenbrauen). Beim langhaarigen Labrador ist nur das FGF5-Gen aktiv — das Fell ist lang, bleibt aber glatt oder leicht wellig, ohne die KRT71-Locke oder den RSPO2-Bart. Das erklärt, warum der Wavy Coat dem Fell eines alten Retrievers ähnelt, nicht dem eines Pudels oder Spaniels.

Wie er aussieht

Der Fluffy Labrador: im Charakter identisch,
nur im Fell verschieden.

Der Wavy Coat ist bereits im Alter von 3-5 Wochen erkennbar, wenn das Fell länger und weicher zu werden beginnt als bei den kurzhaarigen Geschwistern. Im Erwachsenenalter ist das Fell deutlich länger — mit sichtbarer Befiederung an Ohren, Bauch, Hinterbeinen und Rute. Einige Linien produzieren welliges Fell, andere glatters, aber einfach länger als normal.

Was den Rest betrifft — Knochenstruktur, Charakter, Apportiertrieb, Freude am Wasser, Intelligenz, Geselligkeit — ist der Wavy Coat identisch mit dem kurzhaarigen Labrador. Es ist keine andere Rasse. Keine Kreuzung. Kein Gesundheitsproblem. Es ist dieselbe Rasse, mit demselben genetischen Erbe, mit einem Gen, das sich anders ausdrückt.

Der Gentest

FGF5-Gentest beim Labrador:
Träger des Langhaargens identifizieren.

Heute gibt es einen spezifischen Gentest für die FGF5-Variante beim Labrador. Der Test ermöglicht die Unterscheidung der drei Genotypen: L/L (kurzhaarig, kein Träger), L/l (kurzhaarig, Träger) und l/l (Wavy Coat). Er ist bei verschiedenen Speziallaboren erhältlich — darunter Laboklin, MyDogDNA, VGL Davis und Genomia — mit Kosten von in der Regel 40 bis 70 Euro pro Probe.

Die Entscheidung, die eigenen Zuchttiere auf FGF5 zu testen oder nicht, hängt von der Philosophie der Zucht ab. Wer den Wavy Coat als zu vermeidenden Ausschuss betrachtet, wird die Zuchttiere testen, um Kreuzungen zwischen Trägern auszuschließen. Wer — wie diese Zucht — das lange Fell als legitime und historisch begründete Variante betrachtet, beschränkt sich darauf, den eigenen Käufern transparent mitzuteilen, dass in einem Wurf langhaarige Exemplare auftreten können. In beiden Fällen liefert der Test Informationen. Er fällt keine Urteile.

Der offizielle Standard

Der Fluffy Labrador nach ENCI und FCI:
Standard, Pedigree und Registrierung.

Der FCI-Standard Nr. 122 beschreibt das Fell des Labrador Retrievers als "dicht, ohne Wellen oder Fransen, mit wasserabweisendem Unterfell". Das lange Fell liegt daher außerhalb des Standards — ein Wavy Coat kann nicht in der normalen Klasse ausgestellt werden und erhält nicht die Titel, die für dem morphologischen Standard entsprechende Exemplare vorgesehen sind.

Das bedeutet nicht, dass der langhaarige Welpe nicht bei ENCI eingetragen werden kann und kein Pedigree erhalten kann — das Pedigree zertifiziert die Genealogie, nicht die morphologische Konformität. Ein Wavy Coat, der von zwei im ENCI-Zuchtbuch eingetragenen Elterntieren geboren wurde, hat Anspruch auf Pedigree und Eintragung, genau wie seine kurzhaarigen Geschwister. Der Unterschied liegt in der Ausstellungsmöglichkeit und den Titeln — nicht in der Reinheit, nicht in der Gesundheit, nicht im Wert als Begleit- oder Arbeitshund.

Labrador Wavy Coat Welpen:
wir nennen ihn noch so.

Es ist kein Fehler, den man verstecken muss, und keine Seltenheit, die man im Wert aufblähen sollte. Es ist der St.-John's-Hund, der zurückkehrt — und jeder langhaarige Welpe, der geboren wird, ist ein Zeuge einer Geschichte, die fünfhundert Jahre alt ist.

Geschichte der Rasse Die Würfe